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Reverse Charge Verfahren: EU-Ausland und Drittland

Was ist Reverse Charge?

Beim Reverse Charge Verfahren handelt es sich um die Umkehrung der Steuerschuldnerschaft (nach § 13b UStG). Es ist eine Spezialregelung im Umsatzsteuerrecht nach der nicht der oder die leistende Unternehmer:in, sondern der oder die Leistungsempfänger:in die Umsatzsteuer entrichten muss. Bei der Umkehrung der Steuerschuld ist zu unterscheiden, ob die leistenden Unternehmer:innen im EU-Ausland oder in einem sog. Drittland außerhalb der EU sitzen.

Wird ein Produkt oder eine Leistung von einem Land in ein anderes verkauft, muss die Umsatzsteuer zwischen beiden Ländern verrechnet werden. Innerhalb der EU ist die Anwendung dieses Verfahrens einfach: Das leistende Unternehmen weist keine Umsatzsteuer auf seiner Rechnung aus, sondern meldet den Vorgang den Steuerbehörden.
Daraufhin nimmt der oder die Unternehmer:in (Leistungsempfänger:in) im anderen Land die Ware oder Dienstleistung in Anspruch und addiert die in seinem Land gültige Umsatzsteuer.
Reverse Charge ist nicht für alle grenzüberschreitende Geschäftstätigkeiten vorgeschrieben. Katalogleistungen, Werkleistungen oder innergemeinschaftliche Beförderungsleistungen müssen jedoch per Reverse Charge abgerechnet werden. Der wesentliche Vorteil an Reverse Charge ist, dass der oder die Leistungsempfänger:in die Umsatzsteuer nicht bis zur Erstattung durch die Finanzbehörden vorfinanzieren muss.


Reverse Charge Verfahren (EU-Ausland)

Im ersten Abschnitt erfährst du, wie Ausgaben mit Steuerschuldumkehr (Reverse Charge) verbucht werden, bei denen die Rechnungsstellenden im EU-Ausland sitzen.

Beispiel für die Umkehrung der Steuerschuldnerschaft: Du erhältst von Facebook (mit Sitz in Dublin, Irland, also im EU-Ausland) eine Eingangsrechnung für Werbeanzeigen auf Facebook.

Voraussetzungen

  • Eine ordnungsgemäße Rechnung, auf der ausdrücklich auf das Reverse-Charge-Verfahren hingewiesen wird
  • Auf der Rechnung muss die Umsatzsteueridentifikationsnummer (USt-ID) der Rechnungsstellenden und der Leistungsempfangenden angegeben werden!
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Buchungsbeispiel für das Reverse Charge Verfahren:

Du erhältst eine Rechnung von Facebook i. H. v. 500 EUR netto. Im SKR04 sähe der Buchungssatz dafür folgendermaßen aus:

Betrag: 500 EUR
Sollkonto (Buchung des Aufwands): #6600 (Werbekosten)
Habenkonto: #70000 (Kreditor)
Steuerschlüssel: 94

beispiel reverse charge

In den meisten Buchhaltungsprogrammen ist für den Sachverhalt ein eigener Steuerschlüssel hinterlegt, über den die korrekte Verbuchung der Umsatzsteuer und Vorsteuer abgebildet wird (in DATEV ist das der Buchungsschlüssel 94 = 19% Vorsteuer und 19% Umsatzsteuer).

Das Programm bucht also folgende Werte:

Betrag: 95 EUR (19% des Nettobetrags i. H. v. 500 EUR)
Sollkonto: #1407 (Abziehbare Vorsteuer §13b UStG 19%)
Habenkonto: #3837 (Umsatzsteuer nach § 13b UStG 19 %)


reverse charge beispiel

Umsetzung:
Diese Verbuchung ist in der Theorie übersichtlicher, da die Verbuchung direkt über ein entsprechendes Aufwandskonto erfolgt und die Facebook-Rechnung tatsächlich Werbeausgaben zugeordnet wird. In der Praxis ist es nicht unüblich Rechnungen, wie in unserem Facebook-Beispiel, direkt über das Automatik-Konto #5923 (im SKR 04) zu verbuchen. Hier sähe der Buchungssatz wie folgt aus:

Betrag: 500 EUR
Sollkonto: #5923 (Sonstige Leistungen im anderen EU-Land ansässigen Unternehmer:innen 19 % Vorsteuer und 19 % Umsatzsteuer )
Habenkonto: #70000 (Kreditor)

In der Betriebswirtschaftlichen Auswertung / BWA fällt die Darstellung oft weniger aussagekräftig aus. Der Aufwand wäre nicht unter den Werbekosten zu finden, sondern unter Fremdleistungen, bzw. Herstellungskosten.

Reverse Charge Verfahren für ein Drittland

In diesem Abschnitt erfährst du, wie Ausgaben mit Steuerschuldumkehr verbucht werden, bei denen die rechnungsstellende Person nicht im EU-Ausland, sondern in einem Drittland (Reverse Charge Drittland) sitzt.

Beispiel: Der oder die Leistungsempfänger:in mit Sitz in Deutschland nimmt eine Dienstleistung von einem Unternehmen aus den USA in Anspruch. Der Erfüllungsort dieser Dienstleistung (Leistungsort) ist der Ort, an dem die empfangende Person die Lieferung oder Dienstleistung ihren Sitz hat. Also ist in unserem Fall der oder die Leistungsempfänger:in im Inland umsatzsteuerpflichtig.
Nun wird das sogenannte Reverse-Charge-Verfahren angewendet, wenn auf der Rechnung der US-Firma 1.) keine Umsatzsteuer ausgewiesen und 2.) auf das Reverse Charge Verfahren hingewiesen wird: „Steuerschuldnerschaft der Leistungsempfänger:innen“.

Beispiel für das Reverse-Charge-Verfahren für ein Drittland

Du erhältst eine Rechnung über 500 EUR netto aus dem Nicht-EU-Ausland.

Anders als Leistungen von EU-Unternehmen muss das Steuerbüro Leistungen von Unternehmen aus Drittstaaten in der Umsatzsteuervoranmeldung gesondert ausweisen. Der Steuerschlüssel ist dabei derselbe. Aus diesem Grund wird deine Steuerberatung das entsprechende Automatikkonto (im SKR 04: #5925 – Leistungen eines im Ausland ansässigen Unternehmers – 19 Prozent Vorsteuer und 19 Prozent Umsatzsteuer) buchen.

Im SKR04 sieht der Buchungssatz dann folgendermaßen aus:

Betrag: 500 EUR
Sollkonto (Buchung des Aufwands): #5925 – Leistungen von im Ausland ansässigen Unternehmer:innen 19 % Vorsteuer und 19 % Umsatzsteuer
Habenkonto: #70000 (Kreditor)

Das Programm bucht die Steuer in diesem Fall wie folgt:

Betrag: 95 EUR (19% des Nettobetrags i. H. v. 500 EUR)
Sollkonto: #1407 (Abziehbare Vorsteuer §13b UStG 19%)
Habenkonto: #3837 (Umsatzsteuer nach § 13b UStG 19%)

Wichtig: Achten Sie unbedingt auf korrekte Rechnungen des leistenden Unternehmens!

Eine Rechnung aus dem Drittland muss folgende Angaben enthalten, damit Sie den Vorsteuerabzug geltend machen können:

1. Name und Anschrift der rechnungsstellenden Person im Ausland

2. Name und Anschrift der rechnungsempfangenden Person im Inland

3. Rechnungsdatum der Leistung

4. Eine Rechnungsnummer

5. Art und Umfang der Leistung

6. Leistungsdatum bzw. Leistungszeitraum

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