Finanzbuchhaltung

Selbstbuchung: Ab wann lohnt sich der Schritt und wie fängt du an?

Luisa Scholz
Luisa Scholz

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28.01.26

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Das Wichtigste zur Selbstbuchung in Kürze

  • Der größte Vorteil der Selbstbuchung ist die Nähe zu den eigenen Zahlen und damit schnellere, bessere Entscheidungen.

  • Selbstbuchung spart nicht automatisch Kosten, sondern verlagert Aufwand vom Steuerbüro ins Unternehmen.

  • Ein strukturierter Einstieg gelingt nur mit klarer Verantwortung und stabilen Vorprozessen im Rechnungseingang.

  • Ein Vorsystem kann den Umstieg erleichtern, weil Belege bereits geprüft, freigegeben und vorbereitet in die FiBu gehen.

Die Frage, wann ein Unternehmen mit der eigenen Buchhaltung starten sollte, taucht in fast jedem Wachstumsverlauf auf. Am Anfang wirkt die Antwort einfach: Man gibt Belege an das Steuerbüro, bekommt eine BWA und einen Jahresabschluss und konzentriert sich selbst auf Produkt, Vertrieb und Teamaufbau.

Spätestens wenn die Organisation größer wird, Investoren mit am Tisch sitzen oder mehrere Kostenstellen und Gesellschaften ins Spiel kommen, reicht dieses Modell jedoch nicht mehr aus. Dann wird Selbstbuchung, zum Beispiel mit DATEV, zur realistischen Option und für viele Unternehmen zum entscheidenden Hebel auf dem Weg zu mehr Steuerungsfähigkeit.

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Warum „Finanzbuchführung selbst machen“ keine Tool‑Frage ist

Intuitiv wird Selbstbuchung oft als Softwarefrage verstanden: „Können wir DATEV bedienen?“ oder „Traut sich jemand an Buchungssätze?“.

In Wirklichkeit steht eine andere Frage im Vordergrund: Ist das Unternehmen organisatorisch so aufgestellt, dass Buchhaltung als Teil der Steuerung gedacht werden kann undnicht nur als Pflicht zur Erfüllung von Abgabefristen?

Solange das Belegvolumen niedrig, die Komplexität überschaubar und der Steuerungsbedarf gering ist, ist die Auslagerung der Buchhaltung meist die wirtschaftlichere Variante. Denn die Kosten für den Aufbau interner Strukturen und Fachkompetenz stehen in solchen Fällen in keinem Verhältnis zum Nutzen schnellerer Zahlen.

Selbstbuchung macht erst dann Sinn, wenn drei Dinge zusammenkommen:

  1. ein relevanter Umfang an Geschäftsvorfällen,

  2. ein erhöhter Anspruch an Aktualität,

  3. und eine echte Bereitschaft, Buchhaltung als Prozess im Unternehmen zu verankern.

Die Nähe zu den eigenen Zahlen als Gamechanger

Der wesentliche Vorteil der Selbstbuchung lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Nähe zu den eigenen Zahlen.

Wenn Belege, Zahlungen und offene Posten im Tagesgeschäft sichtbar sind, verändern sich Diskussionen im Unternehmen. Statt im Nachhinein zu erklären, warum eine Kostenstelle aus dem Ruder gelaufen ist, können Verantwortliche frühzeitig gegensteuern. Liquiditätsthemen werden nicht erst in der BWA sichtbar, sondern schon im laufenden Monat.

Selbstbuchung spart nicht automatisch Geld, sie verlagert Kosten. Externe Honorare sinken, interne Aufwände steigen. Der wirtschaftliche Nutzen entsteht dann, wenn die gewonnenen Zeit- und Informationsvorsprünge genutzt werden: um Fehlentwicklungen früher zu erkennen, Budgets gezielter zu steuern und operative Reibungen zu reduzieren.

In dieser Logik ist Selbstbuchung kein Selbstzweck, sondern ein Instrument, das eine andere Qualität von Entscheidungen ermöglicht.

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Ab wann lohnt sich der Einstieg wirklich?

Es gibt keinen festen Schwellenwert, ab dem Selbstbuchung „objektiv“ richtig ist. Stattdessen helfen ein paar klare Signale:

  • Das Belegvolumen ist so gewachsen, dass Abstimmungen mit dem Steuerbüro regelmäßig aufwendig und nachlaufend sind.

  • Mehrere Kostenstellen, Teams oder Gesellschaften müssen separat betrachtet und trotzdem im Gesamtbild verstanden werden.

  • Das Management erwartet mindestens monatliche Auswertungen, Soll‑Ist‑Vergleiche und Forecasts, nicht nur eine Jahresbetrachtung.

  • Externe Stakeholder wie Banken oder Investoren verlangen kurze Reaktionszeiten und belastbare Zahlen.

Treten mehrere dieser Faktoren gleichzeitig auf, ist der Zeitpunkt günstig, über Selbstbuchung nachzudenken und zwar nicht nur technisch, sondern konzeptionell.


Wie man den Einstieg strukturiert – statt „einfach mal anzufangen“

Selbstbuchung ist kein Schalter, den man spontan umlegt. Der Einstieg gelingt deutlich besser, wenn er als Entwicklungsprojekt gedacht wird, mit klaren Etappen und bewusst gewählten Werkzeugen.

1. Verantwortung klären, bevor das erste Konto bebucht wird

Bevor Systeme eingerichtet und Daten migriert werden, braucht es eine zentrale Frage, die beantwortet ist: Wer ist verantwortlich?

Selbstbuchung funktioniert selten, wenn „irgendjemand das nebenbei mitmacht“. Es braucht eine klar benannte Person, die fachlich verantwortlich ist, Entscheidungen treffen darf und Ansprechpartner:in für Steuerbüro, Geschäftsführung und Fachbereiche ist.

Diese Rolle muss nicht in Vollzeit existieren, aber sie braucht ein klares Mandat: Fristen im Blick behalten, Prozessprobleme ansprechen, Anforderungen aus den Fachabteilungen aufnehmen und mit dem Steuerbüro auf Augenhöhe sprechen können.

2. Vorlaufprozesse stabilisieren – „garbage in, garbage out“ vermeiden

Buchhaltung kann nur so gut sein wie die Prozesse davor. Bevor der erste Buchungssatz intern erfasst wird, lohnt sich der Blick auf den Rechnungseingang:

  • Wie kommen Rechnungen ins Unternehmen – zentral oder verteilt?

  • Welche Pflichtangaben werden geprüft, bevor eine Rechnung freigegeben wird?

  • Gibt es definierte Zuständigkeiten für Bestellung, fachliche Prüfung und Freigabe?

  • In welchem Medium leben die Belege – Papier, E‑Mail, Tools, Mischformen?

Wenn Rechnungen heute als Papierstapel, E‑Mail‑Fetzen und Chat‑Anhänge durchs Unternehmen wandern, wird Selbstbuchung schnell zum Dauerstress. Wer dagegen vorab klare Belegflüsse definiert, sorgt dafür, dass im Buchungssystem nicht permanent „repariert“ werden muss, was im Vorfeld schiefgelaufen ist.

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3. Nicht alle Belege gleich behandeln

Ein typischer Fehler beim Selbstbuchungsstart ist der Anspruch, jede Rechnung gleich streng zu prüfen und gleich intensiv zu behandeln. Das kostet Zeit, ohne das Risiko angemessen zu reduzieren. Sinnvoller ist eine bewusste Differenzierung:

  • Wiederkehrende, risikoarme Belege (Mieten, Abos, laufende Services) werden stark standardisiert.

  • Einmalige, hohe oder ungewöhnliche Ausgaben erhalten besondere Aufmerksamkeit.

Diese Trennung ist ein Kerngedanke von Lean Finance: Standardfälle automatisieren und klar regeln, damit Ressourcen für die wirklich wichtigen Entscheidungen frei werden.

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Warum ein Vorsystem der ideale Einstiegspartner ist

Genau hier kommt ein Vorsystem für den Rechnungseingang ins Spiel – und wird zum pragmatischen Startpunkt für Selbstbuchung. Statt direkt „in DATEV“ die gesamte Organisation umzubauen, verschiebt ein Vorsystem die Veränderung dorthin, wo sie am meisten bewirkt: an den Anfang der Prozesskette.

Vorsystem als Brücke zwischen Fachbereichen und FiBu

Ein gutes Vorsystem bündelt alle Eingangsrechnungen in einer zentralen Inbox, liest relevante Daten automatisch aus und führt die Rechnungen durch klare Prüf‑ und Freigabeschritte. Fachabteilungen sehen ihre Belege, prüfen die Leistung, kommentieren und geben frei – alles an einem Ort.

Für die angehende Selbstbuchung bedeutet das:

  • Belege sind vollständig, geprüft und freigegeben, bevor sie ins Buchungssystem wandern.

  • Kontextinformationen bleiben am Beleg und gehen nicht in E‑Mail‑Verläufen verloren.

  • Wiederkehrende Vorgänge können vorkontiert und teilweise automatisiert werden.

DATEV – oder ein vergleichbares FiBu‑System – muss dann nicht mehr „herausfinden“, was mit einer Rechnung gemeint war. Es erhält strukturierte, weitgehend vorbereitete Informationen.

Schrittweiser Einstieg statt Big Bang

Mit einem Vorsystem lässt sich Selbstbuchung schrittweise einführen:

  • Zuerst wird der Rechnungseingang zentralisiert und die Freigabelogik etabliert.

  • Dann werden Schnittstellen zu DATEV aufgebaut, sodass Belegdaten und Bilder automatisiert übertragen werden.

  • Anschließend kann die interne FiBu Schritt für Schritt mehr Buchungsanteile übernehmen, während das Steuerbüro weiter begleitet, kontrolliert und abschlusssichernd arbeitet.

So entsteht kein „Alles‑oder‑Nichts‑Moment“, sondern ein kontrollierter Übergang vom komplett ausgelagerten Modell hin zu einem geteilten Setup mit wachsendem internen Anteil.

Candis unterstützt Unternehmen als Vorsystem im Rechnungseingang dabei, Rechnungen zentral zu erfassen, strukturiert freizugeben und anschließend sauber per Schnittstelle an DATEV zu übergeben.


Fazit: Selbstbuchung beginnt lange vor der ersten Buchung

Der Start in die Selbstbuchung ist weniger die Entscheidung, einen Zugang zu DATEV zu beantragen, als die bewusste Gestaltung von Prozessen, Rollen und Werkzeugen rund um den Rechnungseingang.

Wer Verantwortung klärt, Vorlaufprozesse stabilisiert, Belege nach Risiko und Relevanz differenziert und ein Vorsystem klug einsetzt, schafft die Basis, auf der Selbstbuchung echten Mehrwert erzeugt – statt nur Arbeit zu verlagern.

So wird aus der Frage „Ab wann macht es eigentlich Sinn, die Buchhaltung selbst zu machen?“ eine strategische Entscheidung: weg von reiner Pflichterfüllung, hin zu Finanzprozessen, die die Steuerung des Unternehmens aktiv unterstützen.

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